Patient*innensicherheit im Klinikalltag

Maria Kletečka-Pulker leitet an der Danube Private University die neue Forschungsgruppe Patient Safety and Digital Health (PaDiH). Den Studierenden im Haus attestiert die Juristin eine hohe fachliche Kompetenz insbesondere human skills wie Kommunikation. Für sie der größte, aber unterschätze Hebel für Patient*innensicherheit.
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Bild von einem Stethoskop und einem Richterhammer. | CC0 Public Domain-Lizenz | Foto: George Hodan

Patient*innensicherheit „beginnt bei den Ohren und entscheidet sich oft in den ersten Minuten“, ist Maria Kletečka-Pulker, erfahrene Juristin und Mitgründerin der Plattform Patient*innensicherheit überzeugt. Ihre langjährige Expertise an der Schnittstelle von Recht, Ethik und Medizin, die sie seit 2026 als Professorin an der Danube Private University (DPU) einbringt, fußt auf der eigenen jugendlichen Unentschlossenheit. Studiert hat sie Jus, aber auch ein Medizinstudium hatte sie ernsthaft erwogen. Die Vorlesungen von Professor Christian Kopetzki, einem Pionier im Medizinrecht, gaben der Neigung sehr früh im Studium Nahrung. Sie arbeitete als erste Universitätsassistentin im Bereich Medizinrecht an der Universität Wien, zeitweise im Gesundheitsministerium, war lange Geschäftsführerin der Forschungsplattform Ethik und Recht in der Medizin von Universität Wien und Meduni Wien und leitete zuletzt das Ludwig Boltzmann Institut für Digital Health and Patient Safety. Sie ist darüber hinaus seit Jahren Mitglied in der Bioethikkommission des Bundeskanzleramts sowie zahlreichen weiteren wissenschaftlichen Beiräten. Nach dem Auslaufen der temporären Forschungseinrichtung wechselte ein großer Teil des Teams an die DPU und die angeschlossenen Unikliniken in Wiener Neustadt, Neunkirchen und Hochegg. Gemeinsam setzen sie am neuen Standort die Forschungsergebnisse in der Praxis um.

Portrait von Maria Kletečka-Pulker, Leiterin der Forschungsgruppe Patient Safety and Digital Health (PaDiH) an der Danube Private University | © SchoberArts
Maria Kletečka-Pulker bringt ihre langjährige Expertise an der Schnittstelle von Recht, Ethik und Medizin seit 2026 als Professorin an der Danube Private University (DPU) ein.

„Mich interessiert, wie das Recht im Alltag ankommt und wie es sich auf das Arzt-Patient-Verhältnis auswirkt, das sich in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt sehr gewandelt hat“, so Kletečka-Pulker. Aus der Perspektive der Mediziner*innen sind Patient*innen oft potenzielle Kläger*innen geworden. Für die Rechtsexpertin sind Klagen „die Pathologie des Rechts. Soweit soll es nicht kommen“. Dies schadet dem Vertrauensverhältnis und letztlich der Behandlung. Die Forschung zeigt, dass in den meisten Fällen, wenn ein Fehler passiert, die Patient*innen vorher oft etwas bemerkt und angesprochen haben oder hinterfragt haben. Die beste Absicherung ist also, den Patient*innen aufmerksam zuzuhören, und zwar gleich am Beginn des Gesprächs, und ihnen lange genug Zeit und Raum zu geben zu erzählen. Typische Fehlerquellen in der Klinik sind die Übergabe an die nächste Schicht, „Lookalikes und Soundalikes“ bei den Medikamenten sowie Desinfektionsregimes. Wo Menschen am Werk sind, passieren natürlich Fehler. Es geht also darum vermeidbare Fehler zu vermeiden, aus Fehlern zu lernen und eine gute Sicherheitskultur aufzubauen, in dem konstruktive Kritik als wertvolle Qualitätssicherung gesehen wird.

Bild von Hand voller Tabletten. | CC0 Public Domain-Lizenz | Foto: Gerd Altmann
Typische Fehlerquellen in der Klinik sind die Übergabe an die nächste Schicht, „Lookalikes und Soundalikes“ bei den Medikamenten sowie Desinfektionsregimes.

„Wir wissen aus internationalen Studien sehr genau, welche Risiken in welcher Abteilung vermehrt auftreten und es gibt gute Maßnahmen dagegen“, betont Kletečka-Pulker. Nicht alle kosten viel Geld. Bewährte Tools sind Schulungen, Checklisten und Prinzipien. Zentral für eine sichere Behandlung ist das Aufklärungsgespräch. Fehler in der Kommunikation z.B. mit fremdsprachigen Patient*innen und Laiendolmetsch sind ein Sicherheitsrisiko und oft Ursache für Fehl- und Mehrfachbehandlungen. Letztlich kostet diese Vorgangsweise mehr Geld und Zeit als professionelle Online-Videodolmetsch-Angebote. Im Management sind jedoch die Budgets für Investitionen und Haftungsansprüche zumeist getrennt, was die Abwägung von Kosten und Nutzen der Investitionen erschwert. „Bei den versicherten Krankenanstalten könnten auch die Versicherungen Anreize schaffen: Wer kostspieligere Tools anschafft, die zu mehr Sicherheit und Qualität beitragen, die das System letztlich finanziell und personell entlastet, zahlt weniger Prämie.“

Bild einer Ärztin im Gespräch mit einer Patientin. | CC0 Public Domain-Lizenz | AI generiert
Die Forschung zeigt, dass wenn ein Fehler passiert, Patient*innen meistens vorher etwas bemerkt und angesprochen haben. Die beste Absicherung ist also, den Patient*innen aufmerksam zuzuhören.

An ihrer neuen Wirkungsstätte gefällt ihr, dass das Curriculum viele Stunden Kommunikation, Berufsfelderkundung und Medizinrecht sowie Ethik umfasst. Standard an der DPU sind auch Simulationstrainings mit der animierten Puppe und Schauspielpatient*innen. Sehr viel kann erreicht werden, wenn bei Schulungen ganze Teams aus Pflege und Medizin miteinander in einem „Room of Horror“ schwierige Szenarien durchspielen und dabei Hand in Hand arbeiten. Die neue Professorin an der Danube Private University möchte Studierende zu Gesundheitsbotschafter*innen machen, die in ihren Heimatorten, in Schulklassen, Krankenhäusern und auch sonst Bewusstsein schaffen: für den Beruf, für vermeidbare Gesundheitsrisiken, Erste Hilfe und so fort. „Ich bin total optimistisch, wenn ich die angehenden Ärzte und Ärztinnen sehe – sie sind empathisch, reif und reflektiert“, so Maria Kletečka-Pulker. Bereits geschult und besetzt hat sie einen Niederösterreichischen Patient*innenbeirat, der angefordert und eingebunden werden kann, z.B. wenn Tools oder Infomaterialien mit jenen getestet werden sollen, die es betrifft. In Wiener Neustadt leitet sie zudem das neue Ethikboard für schwierige Entscheidungen, das von jedem und jeder im Haus einberufen werden kann.

Patient oder Patientin in der Klinik kann man von einem Tag auf den anderen werden. Die Juristin appelliert zum Schluss noch für entsprechende rechtliche Vorsorge mit Vorsorgevollmacht und Patient*innenverfügung. Wem Selbstbestimmung wichtig ist, der sollte die Frage „Wer soll für mich entscheiden, wenn ich es gerade nicht kann?“ asap beantworten und festhalten.

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