„Fortschritt und Menschlichkeit gehören für mich zusammen“

Seit Februar ist Andrea Olschewski neue Rektorin der Karl Landsteiner Privatuniversität. Die Forschungs- und Ausbildungseinrichtung ist damit auf Führungsebene mehrheitlich in Frauenhand. Mit art & science krems sprach die ausgebildete Fachärztin für Anästhesie über strategische Vorhaben, die bereits laufen, den USP der Uni und ihren Führungsstil.
By
Portrait von Andrea Olschewski, der neue Rektorin der Karl Landsteiner Privatuniversität. | © Privat/Marija Kanizaj

Wer glaubt, dass Anästhesist*innen nicht kommunizieren müssen, weil ihre Patient*innen ohnehin die meiste Zeit schlafen, der irrt. Die Verantwortlichen für den feinen Grat zwischen Leben und Tod, Schmerzfreiheit und Bewusstsein, haben ihre Patient*in immer im Blick. Gleichzeitig arbeiten sie als Kliniker*innen eng mit unterschiedlichen Berufsgruppen im OP-Saal zusammen. Das braucht „Koordination, Fingerspitzengefühl, Resilienz sowie pünktliches und genaues Arbeiten.“ Was ihr Arbeitspensum der ersten Monate als neue Rektorin der Karl Landsteiner Gesundheitsuni angeht, wirkt sie schmerzbefreit – dabei hilft ihr starke Motivation. Was die ehemalige Vizerektorin für Medizin an der JKU Linz (2017 bis 2019) reizt: „Wir haben hier eine junge Universität mit einer starken Verbindung von Forschung, Lehre und klinischer Praxis. Gleichzeitig gibt es für mich als Rektorin die Möglichkeit, gemeinsam mit engagierten Menschen neue Ideen umzusetzen. Unsere Größe sehe ich dabei nicht als Grenze, sondern als Chance: Wir können rasch handeln, individuelle Betreuung bieten und gezielt Schwerpunkte setzen. Immer mit dem Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse möglichst rasch zum Nutzen der Patient*innen wirksam werden zu lassen.“

Olschewski, bis 2031 bestellt, hat in den vergangenen Monaten schon einige Pflöcke eingeschlagen. „Ein Studienplan lebt von der Weiterentwicklung“, sagt sie. Den wertvollen Kern einer praxisorientierten Ausbildung und der intensiven persönlichen Betreuung der Studierenden will sie beibehalten: „Unsere Studierenden lernen von Anfang an nicht nur aus Büchern, sondern werden durch Bedside-Teaching schrittweise an den klinischen Alltag herangeführt. Rund 75 Prozent unseres Masterstudiums Humanmedizin finden in einem Betreuungsverhältnis von 1:3 statt.“ Was die Rektorin noch mehr integrieren will, sind digitale Möglichkeiten und Methoden, wie Virtual Reality im Unterricht oder Künstliche Intelligenz in der Versorgung. Es geht darum, die Studierenden auf den verantwortungsvollen Umgang mit diesen Technologien vorzubereiten und die Einsatzmöglichkeiten aufzuzeigen, etwa bei der Bildanalyse in Radiologie und Pathologie. „Fortschritt und Menschlichkeit gehören für mich zusammen“, so Olschewski. KI wird die Medizin verändern, aber die Verantwortung bleibt beim Menschen. Eine Diagnose basiert nicht nur auf Datenanalyse, sondern auch auf klinischer Erfahrung, Kommunikation mit Patient*innen und der Einordnung in die individuelle Situation – „bei aller Innovation wollen wir den Menschen nicht aus dem Blick verlieren“.

Am 25. Juni 2026 wurde Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Andrea Olschewski offiziell als neue Rektorin der Karl Landsteiner Privatuniversität (KL) eingeführt. Hier von links: Prorektorin Sabine Siegl-Amerer, Landeshauptfrau-Stv. Stephan Pernkopf, die neue Rektorin Andrea Judit Olschewski und Humanmedizin-Studiengangsleiter Manfred Wieser. | © KLB.Kaulfus
Am 25. Juni 2026 wurde Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Andrea Olschewski offiziell als neue Rektorin der Karl Landsteiner Privatuniversität (KL) eingeführt. Hier von links: Prorektorin Sabine Siegl-Amerer, Landeshauptfrau-Stv. Stephan Pernkopf, die neue Rektorin Andrea Judit Olschewski und Humanmedizin-Studiengangsleiter Manfred Wieser.

An der Karl Landsteiner Privatuniversität will sie noch mehr Menschen in der Umgebung erreichen und deren Gesundheitskompetenz steigern. Dazu eignet sich das von Stephan Pernkopf ins Leben gerufene Veranstaltungsrformat „Heurika“, bei dem die Rektorin bereits eingeladen war. „Menschen werden heute ständig mit (vermeintlich) gesundheitsrelevanten Informationen überflutet. Unsere Verantwortung ist, sie seriös und verständlich zu informieren.“

Den vereinten Campus mit der Universität für Weiterbildung Krems und dem IMC Krems möchte sie noch stärker als Ort der Begegnung und Zusammenarbeit nutzen, auch durch öffentliche Wissenschafts- und Gesundheitsformate nach dem Vorbild der Mini-Med-Reihe der Meduni Graz. Schon jetzt arbeiten die Einrichtungen in Forschung und Ausbildung zusammen, etwa in Biomedizin und Pflege.  Auch Forschungsinfrastruktur wird gemeinsam angeschafft, genutzt und betrieben, wodurch Ressourcen effizient eingesetzt werden. „Interprofessionelle Ausbildung fördert bei angehenden Ärzten und Ärztinnen das Bewusstsein, dass man heute nicht als alleinstehende*r Mediziner*in versorgt, sondern im Team“, sagt Andrea Olschewski, die Mitglied in einer WHO-Gruppe zum Thema ist.

Portrait von Andrea Olschewski, der neue Rektorin der Karl Landsteiner Privatuniversität. | © Privat/Marija Kanizaj
Den vereinten Campus mit der Universität für Weiterbildung Krems und dem IMC empfindet Andrea Olschewski als Vorteil , den sie bewusst nutzen will.

Aus der translationalen Forschung kommend, ist es Andrea Olschweski wichtig, wissenschaftliche Erkenntnisse rasch zum Nutzen von Patient*innen und der Gesellschaft wirksam werden zu lassen. Am Krebsforschungscluster gemeinsam mit dem Med Austron wurde bereits das zweite PhD- Programm akkreditiert und damit begonnen, eine neue Generation von Tumorbiolog*innen auszubilden. Der Schwerpunkt Neurowissenschaften wird durch ein integriertes Zentrum für Psychische Gesundheit an der Uniklinik Tulln weiter ausgebaut, mit interprofessioneller Forschung quer über die Disziplinen und Zielgruppen. Im Kompetenzzentrum Gerontologie und Gesundheitsforschung werden wissenschaftliche Grundlagen und Erkenntnisse für gesundes Altern und eine hohe Lebensqualität im Alter erarbeitet. Weitere Forschungsschwerpunkte liegen in der Wasserqualitätsforschung sowie in der Erfassung von Antibiotikaresistenzen, die gemeinsam mit der TU Wien vorangetrieben werden.

Es wird ein heißer Sommer für die Rektorin, aber „mit einem großartigen Team werden wir wichtige Weichen legen“. Frauenförderung ist ihr in jedem Bereich wichtig. Sie will über Jahre verfeinerte Mentoringkompetenzen einbringen und ein Role Model sein. Ihren Führungsstil beschreibt Andrea Olschewski wie folgt: „Ich möchte Orientierung geben, Menschen verbinden und Rahmenbedingungen schaffen, damit sich Potenzial entfalten kann. Wichtig sind mir transparente Entscheidungen, eine Kultur des Vertrauens und der Verantwortung. Dialog, Wertschätzung und Verbindlichkeit sind meine Stützpfeiler, ich fördere Beteiligung und treffe klare Entscheidungen, für die ich Verantwortung übernehme.“

An einem Arbeitsort wie Krems darf gerade in diesem Onlinemagazin die Frage nicht fehlen, wie die hochaktive Rektorin zur Kunst steht. Ein Volltreffer, sammelt sie doch gemeinsam mit ihrem Mann Kunst, umgibt sich gerne mit Kunst und Musik, auch auf Reisen. Die Tate Modern in London ist einer ihrer Lieblingsplätze, ihr Büro zieren zwei Leihgaben aus der Niederösterreichischen Landessammlung und eine Skulptur der „Rättin“ von Günter Grass, dem Bildhauer und Autor der „Blechtrommel“.

Artikel teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Papierene Schöpfungen

Papierene Schöpfungen

Der kürzlich verliehene Erich Grabner Preis für künstlerische Grafik bringt…
„Der Wald ist übervoll“

„Der Wald ist übervoll“

Udo Brändle, Geschäftsführer am IMC Krems, und Anna Steinmair, Kuratorin…
Wie kann Bühne für demokratische Prozesse wirksam werden?

Wie kann Bühne für demokratische Prozesse wirksam werden?

Der Studiengang „Stage Narration“ feiert im Wintersemester an der Universität…

Tags

© Privat, Foto: Marija Kanizaj | © KL, Foto: B.Kaulfus | © KL, Foto: Selma Vrazalica
Gratis-Abo
ONLINE-MAGAZIN PER MAIL

Art and Science Krems 2 mal im Monat