Am späten Nachmittag des 3. Juni war Krems voll mit Künstler*innen: Am Bahnhof, in der Fußgängerzone, im Stadtpark – allerorten traf man Bekannte, zumeist aus Wien. Gegen 18 Uhr versammelten sie sich in der Dominikanerkirche, wo die Stadt Krems den Erich Grabner Preis verlieh, mit vollem Titel: paper unlimited 02 – Erich Grabner Preis für künstlerische Grafik der Stadt Krems. Die Künstler*innen Desislava Unger, Katharina Sauermann und Michail Michailov sowie das Künstlerduo Payer Gabriel erhielten an diesem Abend eine der Auszeichnungen.
Fokussiertere Auswahl
Bereits zum zweiten Mal war der Erich Grabner Preis ausgeschrieben worden, bei steigendem Interesse: 2024 reichten 450 Künstler*innen ein; 70 davon zeigten nach einer ersten Auswahl der Jury damals ihre Werke im museumkrems. Dieses Jahr waren es 600 Personen, von denen rund 50 für die Ausstellung ausgewählt wurden. „Wir haben an mehr Institutionen den Call geschickt, zudem kennt man den Preis in der Szene mittlerweile“, erklärt Gregor Kremser, der für den Preis zuständige Leiter des Kulturamts Krems, diese Steigerung. „Durch die Reduktion der Ausstellungsfläche stellen wir heuer weniger Positionen aus. So ist die Auswahl noch fokussierter, die Qualität besser.“

Streit um Abstraktion
Die Geschichte des Preises reicht jedoch weiter zurück als ins Jahr 2024: Bereits in den 1970er-Jahren veranstaltete die Stadt Krems dreimal einen „Österreichischen Graphikwettbewerb“. Damals waren abstrakte Werke unter den Einreichungen – worüber in den lokalen Zeitungen intensiv debattiert wurde, war Abstraktion damals noch nicht unbedingt als selbstverständlich akzeptiert. Übrigens alterte der Preis des „Österreichischen Graphikwettbewerbs“ gut: Mit Peter Pongratz, Erich Steininger und Linde Waber gewannen damals drei Künstler*innen, die auch die Jahrzehnte darauf das österreichische Kunstgeschehen prägen sollten.
2024 beschloss die Stadt, erneut einen Grafikpreis ins Leben zu rufen und dachte sich den Grabner Preis aus, benannt nach dem von 1990 bis 1996 amtierenden Bürgermeister von Krems, der das Kulturleben der Stadt intensiv förderte. Die prämierten Werke gelangen in die Sammlungen unterschiedlicher Stifter – neben dem Rotary Club sind diese das Stift Göttweig, das Land Niederösterreich und eben die Stadt Krems. Erlaubt sind übrigens alle grafischen Techniken, inklusive sparten- und medienübergreifender Arbeiten.



Verkaufsfördernd
Das Besondere am Erich Grabner Preis ist, dass auch das Publikum mitstimmen darf, und zwar direkt in der Ausstellung. Beim vorigen Mal konnte Marianne Lang das Rennen um die Gunst der Besucher*innen für sich entscheiden, die anderen Preise erhielten Leonhard Lorenz Knabl, Oswald Auer, Alexandra Kontriner und Ernst Lima.
Doch was bewirkt ein solcher Preis? Abgesehen von dem Ankauf soll er auch für mehr Sichtbarkeit sorgen. Funktioniert das? Nachfrage bei Alexandra Kontriner. Sie hatte im Vorjahr in Zusammenhang mit dem Preis eine Einzelausstellung der galeriekrems. Dass sie aktuell zu vielen Projekten eingeladen wird, kann aus ihrer Sicht damit zu tun haben – auch wenn sie, wie sie betont, diesbezüglich nur Mutmaßungen anstellen zu können. Allerdings betont sie auch: „Zwei Verkäufe – einmal drei kleine, einmal ein großes Bild – kamen dezidiert durch den Preis zustände, sie ergaben sich nämlich durch die Ausstellung. Was die Sichtbarkeit betrifft, wurden wahrscheinlich vor allem andere Künstler*innen und Leute, die unmittelbar im Kunstbetrieb zu tun haben, erneut auf mich aufmerksam.“


Sichtbarkeit gewinnen
Gregor Kremser schöpft auch für seine eigene Tätigkeit im museumkrems aus den Einreichungen zu paper unlimited. Er erinnert sich: „Beim vorigen Mal habe ich Assunta Abdel Azim Mohamed entdeckt, die dann in der Ausstellung ‚Wie im Himmel, so auf Erden. Wie auf Erden, so im Himmel’ vertreten war.“ Und Judith P. Fischer, die gerade eine Einzelausstellung in der galeriekrems hat, war 2024 ebenfalls bei paper unlimited dabei.
Neben einer Wanderausstellung des Vereins NöDok quer durch Niederösterreich wird der Preis dieses Jahr auch auf der Parallel, Wiens Off-Kunstmesse, vertreten sein. „Da werden wir weitere Sichtbarkeit erhalten“, so Kremsers Prognose.
Nina Schedlmayer


