Mozart im Ohr

Die Köchel-Promenade in Krems und Stein lädt zu einem musikalischen Spaziergang ein. Spaziergänger*innen stoßen dabei auch auf glänzende Kleider, lustige Aperol-Runden und eine frühgotische Kapelle.
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Im Schaufenster des Modegeschäfts der Designerin Martina Wagensommer hängt ein Eyecatcher: ein Kleid, in allen möglichen Farbspektren zwischen Grün und Blau schimmernd. Doch auch aus anderen Gründen ist dieses Haus in Krems-Stein bemerkenswert: In diesem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert mit seinem spätgotischen Flacherker kam einst Mozarts Großmutter, Eva Rosina Barbara Altmann, auf die Welt. Es ist eine von 20 Stationen der Köchel-Promenade, die über einen Online-Audioguide von Stein über Krems bis nach Gneixendorf führt.

Geburtshaus eines großen Sohnes

Das Projekt, gefördert von den Kulturabteilungen der Stadt Krems und des Landes Niederösterreich, eingesprochen von Albert Hosp, künstlerischer Leiter der Festivals Imago Dei sowie Glatt & Verkehrt, entstand nach Idee und Konzept von Severin Endelweber und Manfred Permoser – Obmann und Obmann-Stellvertreter der Ludwig Ritter von Köchel Gesellschaft. Denn, was wohl nur wenige wissen: Ludwig Ritter von Köchel, der wohl berühmteste Mozart-Forscher und Namensgeber des weltweit bekannten Köchelverzeichnisses, wurde in Krems geboren, und zwar 1800. Sein Geburtshaus im Passauer Hof ist die erste Station des Wegs. Vor dem Start können sich Spaziergänger*innen hier noch stärken – an einem sonnigen Samstagnachmittag im Frühling stoßen im Gastgarten des „Il Magazzino“, eines charmanten italienischen Feinkostladens, heitere Runden mit Aperol und Weißwein an.

Severin Endelweber und Manfred Permoser – Obmann und Obmann-Stellvertreter der Ludwig Ritter von Köchel Gesellschaft sind die Ideengeber der Köchel-Promenade, die ihre Besucher auf musikalischen Pfaden durch Stein und Krems bis nach Gneixendorf führt.

Wo kam Köchel zur Welt?

Dieses Gebäude als das Geburtshaus Köchels zu identifizieren, war jedoch gar nicht so einfach gewesen. Einst zog die Forschung dafür auch das Mazzetti-Haus am Schürerplatz 8 und die ehemalige Trivialschule (Steiner Landstraße 62) in Betracht. Doch diese Ansätze sind mittlerweile vom Tisch. Wobei auch diese beiden Gebäude Teil der Köchel-Promenade sind: Ersteres, weil es das letzte Wohnhaus der Eltern von Köchel war, und zweiteres, weil er hier selbst Schüler war.

Im Großen Passauerhof in Stein wurde am 14. Jänner 1800 Ludwig Ritter von Köchel geboren. Als erste Station der Köchel-Promenade leitet dieser Renaissancebau den musikalischen Spaziergang durch Krems und Stein ein.

Informationen wie diese erfährt man über den Audioguide, der ausgewählte Ausschnitte aus besonders passenden Musikstücken kombiniert. Interessierte können so mit Stücken von Mozart, aber auch György Ligeti, Ernst Krenek oder des Kirchenmusik-Komponisten Johann Georg Zechner im Ohr durch Stein streifen, diesen wunderbaren Ort, der immer ein wenig verzaubert erscheint. Und es hat schon einen besonderen Charme, wenn vor der ehemaligen Trivialschule einige Zehnjährige mit dem Roller vorbeiflitzen und gerade in einem Mozart-Stück ‚Das Kinderspiel’ (KV 598) erklingt: „Wir Kinder, wir schmecken / Der Freuden recht viel / Wir schäkern und necken / Versteht sich im Spiel / Wir lärmen und singen / Und rennen rundum / Und hüpfen und springen / Im Grase herum.“

Es hat schon einen besonderen Charme, wenn vor der ehemaligen Trivialschule einige Zehnjährige mit dem Roller vorbeiflitzen und gerade in einem Mozart-Stück ‚Das Kinderspiel’ (KV 598) erklingt: „Wir Kinder, wir schmecken / Der Freuden recht viel / Wir schäkern und necken / Versteht sich im Spiel / Wir lärmen und singen / Und rennen rundum / Und hüpfen und springen / Im Grase herum.“

Prominenter Kirchenmusik-Komponist

12 Stationen der Köchel-Promenade liegen in Stein; die anderen sind großteils in Krems angesiedelt: etwa das Geburtshaus der Mutter des Komponisten und Klaviervirtuosen Franz Liszt, Anna Maria Lager, die wesentlich dessen Karriere förderte. So reicht die Köchel-Promenade weit über ihren Namensgeber und dessen weltberühmten Forschungsobjekt hinaus. Zudem lenkt sie das Augenmerk auf Orte, die ansonsten leicht zu übersehen sind – etwa den charmanten Göttweigerhof, in dem Johann Georg Zechner (1716–1778), einer der bedeutendsten österreichischen Komponisten von Kirchenmusik, Mitte des 18. Jahrhunderts wohnte. In dem einstigen Wirtschaftshof des Stifts Göttweig liegt eine frühgotische Kapelle.

Das Geburtshaus der Mutter des Komponisten und Klaviervirtuosen Franz Liszt, Anna Maria Lager, die wesentlich dessen Karriere förderte, ist die 14. Station der Köchel-Promenade in Krems.

Wer schon zuvor im Museum Krems oder im Kulturamt den Schlüssel dafür besorgt hat, kann sie sogar hautnah, von innen besichtigen: So erweist sich die musikalische Köchel-Promenade auch als malerisches Erlebnis.

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Die letzte Station der Köchel-Promenade führt zum Schloss Wasserhof in Gneixendorf, wo von 18. bis 20. September 2026 das Beethoven-Festival Gneixendorf stattfindet.

Dieses Jahr unter dem thematischen Leitbild „Reisezeit – Zeitreise“, denn heuer jährt sich zum 200. Mal der legendäre Landaufenthalt Beethovens auf dem Gut Wasserhof seines Bruders Johann.

Programm und Tickets finden Sie hier.

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