Naturkatastrophen, Unfälle, eine Pandemie oder Gewaltverbrechen können uns den Boden unter den Füßen wegziehen. Wie wir wieder Sicherheit finden, das Erlebte verarbeiten und mit dem Leben weitermachen können, erforscht die Klinische Psychologin Silvia Exenberger-Vanham, die Ende 2025 zur Professorin an der Karl Landsteiner Privatuniversität berufen wurde.
Als neue Leiterin des Fachbereichs möchte sie der Klinischen Psychologie „ein neues Gesicht geben, das nicht nur auf psychologische Störungsbilder schaut, sondern stärker auch auf die Stärken der Menschen achtet und diese fördert“. Ihr Ziel ist es, die Positive Psychologie eng mit der Klinischen Psychologie zu verknüpfen, einerseits mit der Professur, aber auch im engen Kontakt mit der Praxis an der Psychiatrie der Universitätsklinik Tulln. Sie beschäftigt sich schon lange damit, wie Menschen durch eine Krise kommen, was sie daraus mitnehmen und möglicherweise daran wachsen. Resilienz trägt zu unserem Überleben bei. Was es braucht, damit wir unser Gleichgewicht wiedererlangen können, sollte „als Alltagswissen in unserer Gesellschaft verbreitet sein“. Wie Notrufnummern, Erste Hilfe-Techniken, die eigenen Emotionen kennen und benennen. Es ist ein Irrglaube, dass wir alles kontrollieren können, „aber Prävention hilft uns, in einer Krisensituation zu wissen, was zu tun ist. Die professionelle Intervention bleibt dennoch unerlässlich.“

Seit 2020 forscht Exenberger-Vanham an der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hall in Tirol, leitet unterschiedliche Forschungsprojekte und ist als klinische Psychologin tätig. Die Lehrbefugnis für Klinische Psychologie und Entwicklungspsychologie erwarb sie mit einer Habilitation zum Thema „Child Well-Being and Posttraumatic Growth in Adults and Children after Traumatic Experiences: A Cultural Perspective“. Davor arbeitete sie im Headquarter von SOS-Kinderdorf International. In der internationalen Resilienzforschung haben sich drei Säulen der Resilienz herauskristallisiert: Die Unterstützung von außen, etwa durch Familie, Freunde, Gesundheitsversorgung und Bildung, zweitens Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang miteinander – etwa um Hilfe fragen – und zuletzt innere Werte und Eigenschaften wie Zuversicht, Humor und Offenheit für Neues. Diese drei Säulen werden am besten in „Zeiten der Ruhe“ geübt, damit Menschen in Zeiten der Krise darauf zurückgreifen können.

Ein Team um Stevan F. Hobfoll hat in einer großen Studie zu Interventionen nach Massen-Traumata universelle Elemente identifiziert, die Menschen unabhängig vom kulturellen Hintergrund brauchen. Dazu gehörten Sicherheit, Stressreduktion und Ruhe – im Sinne der Beruhigung, das Erleben von Selbstwirksamkeit und kollektiver Wirksamkeit durch sinnvolle Aufgaben, Verantwortung und Rituale und ein Gefühl von Zugehörigkeit und Verbundenheit. In einer vom Land Tirol geförderten Covid-19-Kinderstudie der tirol kliniken und der Medizinischen Universität Innsbruck hat ein Forschungsteam festgestellt, dass leitende Elementarpädagog*innen intuitiv diese Elemente anwandten, um sich durch die Covid-Krise zu navigieren, da es sehr wenig Anleitung für Kindergärten seitens der Regierung gab. Nachholbedarf gibt es sicher auch bei der Mitsprache und der Bedeutung der Stimmen junger Menschen in der Gesellschaft, wie sich gerade bei den Lockdowns zeigte, die Oberstufenschüler*innen und Studierende sehr lang betrafen. Resilienzförderung beginnt idealerweise ab der Geburt. Aber nicht immer läuft es ideal. Bildungseinrichtungen, Jugendzentren oder Freizeitangebote können auch später im Leben wichtige Schritte setzen: „Menschen zum Aufblühen zu bringen, auf ihre Stärken zu achten und wertschätzendes Feedback zu geben, lässt sie zuversichtlich in eine Zukunft blicken, mit dem Gefühl, diese meistern zu können“.



