art & science Krems: An der 2009 eröffneten Danube Private University werden 2500 Studierende aus 66 Nationen in Human- und Zahnmedizin ausgebildet. Im Rahmen der Dritten Mission haben Sie an der Privatuniversität nun eine Stiftung aus der Taufe gehoben – welchen Zweck verfolgt diese?
Marga Wagner-Pischel: Die Heracles-Hebe-Stiftung der Danube Private University setzt sich Gesundheitsförderung zum Ziel, insbesondere bei jungen Menschen unter 25 Jahren im Sinne einer proaktiven Medizin. Sie soll das Fundament für ein langes und gesundes Leben legen, physisch und psychisch fit, mit Zugang zu Kunst und Kultur. Wir wissen, dass regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und emotionales Wohlbefinden grundlegende Säulen dafür sind. Im Sinne eines holistischen Zugangs glauben wir, dass ein humanistisches Weltbild mit entsprechender Wertorientierung, Beziehungen und die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur unterstützend wirken. Aktuelle WHO-Studien rücken junge Menschen in den Fokus, deren Aufwachsen von aufeinanderfolgenden Krisen und Unsicherheit geprägt ist. Das bleibt nicht ohne Folgen. In Österreich verzeichnen wir einen alarmierenden Anstieg von psychischen Problemen bei über 13-Jährigen – gerade bei Mädchen. Es konnte in etlichen Studien gezeigt werden, dass Social Media und die digitale Durchdringung des Alltags Depressionen, Bewegungsmangel, Ernährungsdefizite oder sogar Suizide in frühem Alter befördern können. Wir sehen es als unseren Auftrag, mit der Heracles-Hebe-Stiftung der DPU eine gesunde Lebensweise sowie gezielte individuelle Prävention und Beratung zu fördern.

art & science Krems: Was hat es mit dem Namen auf sich? Die Stiftung ist nach einem griechischen Halbgott benannt.
Marga Wagner-Pischel: Heracles ist ein Held der Antike, dessen Leben und Wirken bis heute vielfach gewürdigt und verewigt wurde. Der Halbgott erfüllte 12 übermenschliche Aufgaben und ist der Legende nach Gründer der Olympischen Spiele. Heracles war und ist ein Vorbild, gesegnet nicht nur mit körperlicher und mentaler Stärke, sondern auch einem wachen Verstand und praktischer Klugheit. Seine Frau Hebe wurde als Göttin der Jugend verehrt. Diese beiden symbolisieren für mich die Aufgaben der Stiftung sehr gut. Die Namensgebung war auch durch eine Schenkung inspiriert, welche die Danube Private University im März 2025 erhalten hat. Elisabeth Leitner-Bandion widmete der Universität einen Teil der Kunstsammlung ihres verstorbenen Mannes, des ehemaligen Wiener Magistratsdirektors Josef Bandion. Es handelt sich um Lindenholzreliefs der „12 Heldentaten des Heracles“ vom niederösterreichischen Bildhauer und Grafiker Franz Anton Coufal. Er war Meisterschüler von Fritz Wotruba an der Akademie der bildenden Künste Wien. Die Kunstwerke werden künftig am Sitz der Stiftung ausgestellt.

art & science Krems: Wie und von wo sollen die Stiftungsziele ins Wirken kommen?
Marga Wagner-Pischel: Die Vorarbeiten laufen auf verschiedenen Ebenen. Wir bauen gerade ein 2024 von uns erworbenes Renaissancegebäude in der Kremser Innenstadt um und wollen die Arbeiten im Spätherbst abschließen. Es handelt sich um den vormaligen Gasthof „Alte Post“ in der Fußgängerzone. Das ist der Ort, an dem mit Informationsplattformen, Lectures und Internships gearbeitet werden soll. Wir konnten bereits eine Reihe junger Athleten gewinnen, die sich als Botschafter der Stiftung engagieren werden. Die Stiftung wird unter anderem in diesem Renaissancegebäude angesiedelt und wird sich – wissenschaftlich evaluiert – zur Aufgabe machen, (junge) Menschen zu motivieren: zu einem gesunden Leben, guter Ernährung, Bewegung und mentaler und sozialer Gesundheit. Entsprechende Gesundheitsimpulse sollen aber nicht nur an Bürger*innen jeden Alters vermittelt werden, sondern im Rahmen postgradualer Weiterbildung auch an Zahnärztinnen und -ärzte sowie Humanmediziner*innen. Wir wollen Menschen aus der ganzen Welt im Heracles-Hebe-Haus empfangen und die Stiftungsziele über Krems hinaus in Erfüllung bringen. Mitte April startet ein Austauschprogramm mit den DPU Partneruniversitäten in der Ukraine, das sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen Hilfe zu vermitteln, die psychische Schocks und Traumata durch den Krieg, aber auch durch Unfälle oder Naturkatastrophen, erlitten haben. Anfang Mai veranstalten wir ein Symposium zum Thema „Gesundheit und Ernährung“ in Kooperation mit der Helmholtz-Gemeinschaft, zu dem wir etwa auch Patient*innen unseres Ambulatoriums einladen.
Astrid Kuffner


