Überkopf im Zahnarztstuhl und der Bohrer surrt, die Masse für den Zahnabdruck wird und wird nicht fest, und auf das Provisorium traut man sich zwei Wochen nicht draufbeißen. Es gibt genügend Gründe beim Gedanken an den zahnärztlichen Behandlungsstuhl nicht zu lächeln. Doch mit bereits zugelassenen digitalen Werkzeugen können Behandlungsschritte angenehmer, effizienter und das Geschehen in der eigenen Mundhöhle nachvollziehbarer werden. Voraussetzung dafür ist, dass Zahnärzte und Zahnärztinnen diese souverän bedienen lernen. Ende Oktober wurden an der Danube Private University im Rahmen der Digital Academy weitere 14 moderne Simulationseinheiten installiert, die für die Aus- und Fortbildung genutzt werden. Insgesamt stehen nun 87 realitätsnahe Trainingsmodelle, sogenannte Phantome, zur Verfügung. Studierende sowie praktizierende Zahnärzte und Zahnärztinnen im Rahmen der Weiterbildung üben an den Phantomen digitale Scans, die Planung der Versorgung und die Herstellung von Zahnersatz. So werden vollständige Arbeitsabläufe gelernt, statt nur die Bedienung einzelner Geräte.

„Vieles wird angenehmer und anschaulicher“, erklärt Florian Pfaffeneder-Mantai, stellvertretender ärztlicher Leiter des Zahnambulatoriums Krems der DPU. Statt mit der Abdruckmasse in der Schiene können die Zähne in vielen Fällen mit einer kleinen Kamera, dem Intraoralscanner, erfasst werden: „Aus dem Scan entsteht am Bildschirm ein dreidimensionales Modell, in dem auch Patient*innen ihre eigene Zahnsituation sehen und geplante Schritte besser nachvollziehen können. Die Technik hilft uns außerdem, Abläufe präziser aufeinander abzustimmen. Entscheidend bleibt aber immer, was medizinisch sinnvoll ist.“
Wenn die Zähne digital erfasst sind und die Voraussetzungen passen, kann mit etwas Glück die Zahnkrone in einem Termin eingesetzt werden. Während man eine Zeitschrift im Wartezimmer durchblättert, wird mit den Daten aus dem Scan eine passende Krone am Computer entworfen und anschließend mit einer Fräsmaschine aus einem Keramikblock gefertigt oder aus Kunststoff gedruckt. CAD bzw. CAM, also computer-aided design and computer-aided manufacturing, halten so auch in die Zahnarztpraxis Einzug. Eine sorgfältige Untersuchung und die Wahl des passenden Verfahrens blieben unerlässlich.

Florian Pfaffeneder-Mantai, Zahnarzt in dritter Generation, über die Digital Academy: „Gute Behandlung beginnt mit guter Ausbildung. Die Studierenden an der Danube Private University erlernen digitale Verfahren nicht erst in der Klinik, sondern bereits davor an modernen Simulationseinheiten. Die Phantome für Übungszwecke sind sehr realitätsnah.“ Im Studium werden wissenschaftliche Grundlagen vermittelt und praktische Fertigkeiten trainiert. Der entscheidende Wissenstransfer erfolgt im Zahnambulatorium Krems, wo die Studierenden ihr Wissen unter Anleitung anwenden. Patient*innen profitieren von innovativen Behandlungsverfahren zu sozialen Bedingungen, wenn sie sich für eine studentische Versorgung unter ärztlicher Aufsicht entscheiden.
Bei aller Technik steht dabei der Mensch im Mittelpunkt: „Jede*r bringt andere Voraussetzungen, Wünsche und manchmal auch Ängste mit. Die Studierenden müssen lernen, zuzuhören, Befunde einzuordnen und Behandlungsmöglichkeiten verständlich zu erklären“, so der stellvertretende ärztliche Leiter des universitären Zahnambulatoriums der DPU. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse fließen hier in die Ausbildung ein und auch der Output digitaler Methoden wird kritisch diskutiert: Digitale Möglichkeiten erweitern das Spektrum, ersetzen aber weder eine sorgfältige Diagnose noch die persönliche Betreuung.

Künstliche Intelligenz kann bei der Analyse von Bildern unterstützen und auf Auffälligkeiten hinweisen, aber sie kennt weder die gesamte Krankengeschichte noch persönliche Erwartungen. Diagnose, Aufklärung und Therapieentscheidung bleiben Aufgaben der behandelnden Zahnärztinnen und Zahnärzte. Dass es in der Ordination unpersönlicher wird, sieht Pfaffeneder-Mantai nicht: „Wenn ich ein dreidimensionales Modell zeige, lässt sich oft besser erklären, warum eine Behandlung empfohlen wird und welche Alternativen bestehen. Das schafft Transparenz. Gleichzeitig müssen wir uns Zeit für Fragen nehmen. Ein Bildschirm ersetzt kein Vertrauensverhältnis. Digitalisierung ist Werkzeug nicht Selbstzweck.“ Künftig könnten digitale Diagnostik, Planung und Fertigung noch enger zusammenwachsen. Manche Behandlungen könnten so noch effizienter und individueller werden. Trotzdem bleiben manuelle Fertigkeiten, klinische Erfahrung und Einfühlungsvermögen unverzichtbar: „Genau diese Verbindung möchten wir an der DPU vermitteln: wissenschaftlich fundiert arbeiten, neue Technologien verantwortungsvoll nutzen und den Menschen im Behandlungsstuhl nie aus dem Blick verlieren.“
Astrid Kuffner


