Anfang Oktober fand zum 30-Jahr-Jubiläum der Universität für Weiterbildung Krems der erste „Dies Academicus“ statt. Für Viktoria Weber hat sich dort „die Universitätswerdung manifestiert. Aus einem bildungspolitischen Experiment, der mutigen Entscheidung für eine öffentliche Uni mit besonderem Profil, einer Studierendenschaft mit Berufserfahrung und dem Bekenntnis zu wissenschaftlicher Weiterbildung“. Die Institution hat das Thema wissenschaftliche Weiterbildung im österreichischen Hochschulsystem verankert, ist zum gleichwertigen Partner in universitätsübergreifenden Gremien geworden und versteht lebensbegleitendes Lernen „nicht als Addendum, sondern als zentralen universitären Auftrag“.
In Zeiten des Wandels wird der Abschluss in jungen Jahren einen nicht mehr durch das ganze Berufsleben tragen: „Wissenschaftliche Weiterbildung befähigt Menschen Veränderungen nicht nur zu bewältigen, sondern aktiv mitzugestalten. Sie unterstützt persönliche Entwicklung, soziale Teilhabe, Resilienz, berufliche und demokratische Handlungsfähigkeit. Durch den Wissenstransfer von Absolventinnen und Absolventen zurück in Unternehmen und Institutionen, stärkt sie vielerorts die Innovationskraft.“ Die digitale Transformation schreitet voran und verändert laufend Berufsbilder, die Formate der Studien passen sich an das Leben der Auszubildenden an. Für die Rektorin ist unumstritten, dass Innovation und Wettbewerbsfähigkeit der Gesellschaft davon abhängen, ob die Menschen darin sich weiterentwickeln. Es geht in den Weiterbildungsstudien nicht nur darum, aktuelles Fachwissen zu vermitteln: Weiterbildung stärkt auch Urteilsfähigkeit und kritische Reflexion.

Was ebenfalls Früchte getragen hat, war die Ausrichtung der Forschung an einem klaren Profil, mit einem steigenden Anteil eingeworbener Projektmittel national und international sowie Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs mit Doktoratsstudien und Habilitationsmöglichkeit. Im Haus konnten bisher drei (!) Forscherinnen mit Schwerpunkt Migrationsforschung einen ERC-Grant einwerben, was auch international für Sichtbarkeit sorgt.
Schon in ihrer Antrittsrede im August 2025 betonte Viktoria Weber, wie wichtig eine Universität für die Attraktivität eines Standorts ist: „Die Gründung hat wesentlich beigetragen, die Stadt als Wissenschafts- und Bildungsstandort sichtbar zu machen. Eine wichtige Schulstadt war Krems bereits davor.“ Sie selbst ist als Schülerin aus der Wachau gependelt und hat das Gebäude der Tabakfabrik mit der Landesakademie lange leer stehen sehen. Die damalige Donau-Universität war Pionierin auf dem Gelände, das heute ein vielfältiger Campus mit starker Anbindung an die Stadt ist – mit einer Fachhochschule, einer privaten und der einzigen öffentlichen Universität in Niederösterreich. Krems ist einer der vier Technopol-Standorte in Niederösterreich, wo Hochschulen und Unternehmen anwendungsnah zu Gesundheitstechnologien forschen. Der Campus ist Ort der Vernetzung und des Austauschs, und es ist keinesfalls zu unterschätzen, wie viele gemeinsame Ideen und Projekte sich ergeben, weil sich Menschen dank räumlicher Nähe begegnen.

Die Universität für Weiterbildung Krems leitet das Konsortium ‚European University for Academic Continuing Education‘ (EU.ACE), eine Allianz von zehn europäischen Universitäten. Internationale Erfahrungen der Partner, etwa bei der Anerkennung langjähriger Berufserfahrung als Grundlage für die Zulassung zu Weiterbildungsstudien, bilden wertvolle Impulse für die Zusammenarbeit, wenn es etwa darum geht, die Durchlässigkeit zwischen beruflicher Erfahrung und Weiterbildungsstudien zu verbessern.
Wie geht es weiter? Die Universität für Weiterbildung Krems erwirtschaftet als öffentliche Universität mehr als die Hälfte des Budgets aus Studiengebühren und Forschungsmitteln: „Selbstverständlich sind gerade auch Universitäten gefordert, effizient zu wirtschaften. Voraussetzung ist jedoch eine verlässliche und ausreichende Grundfinanzierung.“ Viktoria Weber ist wichtig, als Universität den Diskurs mitzubestimmen, welche Kompetenzen Menschen und Organisationen jetzt und künftig benötigen: „Wir sind in Forschung und Lehre nahe an der Gesellschaft und an den Themen, die von der EU als „Grand Challenges“ gesehen werden – wie etwa Healthy Ageing. Auch Weiterbildungsangebote im Zusammenhang mit KI sind in allen Fachgebieten derzeit stark nachgefragt.

Für die Rektorin sind Universitäten „Orte der Gestaltung“. Der strategische Rahmen im Haus hat die Eckpunkte „Gesellschaftliche Wirksamkeit, Innovation und Qualität“ – mit Freiheitsgraden für eigenständiges Handeln in den jeweiligen Bereichen. Die Inhalte der Weiterbildungsstudien werden in den Departments entwickelt, oft auch über disziplinäre Grenzen hinweg. „Hier ist uns wichtig, nicht auf jedes Thema aufzuspringen, unser Studienangebot aber dynamisch zu entwickeln und auf künftige Herausforderungen auszurichten“.
Astrid Kuffner


