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„Mehr als bloßes Filmeschauen“

Welche Zukunft haben Programmkinos? Paula Pöll, künstlerische Leiterin des Kinos im Kesselhaus, skizziert Ideen für ihr Haus.
Kino im Kesselhaus

Die Zukunft der Programmkinos liegt darin, den Mehrwert des Kinos als Ort der sozialen Interaktion zu unterstreichen und auszubauen. Es geht nicht nur um das bloße Filmeschauen. Ins Kino zu gehen ist ein soziales Event. Man geht mit Freund:innen und Bekannten – man will etwas teilen, gemeinsam diskutieren, dabei sein, mehr erfahren, den Film intensiver erleben als daheim vorm Fernseher oder Laptop. Ich schätze das Kino auch als entschleunigten Ort: Da schalte ich das Handy aus und widme mich dem Film auf eine ganz andere Art. Das wird jetzt wieder wichtiger für viele.

Allerdings hat das Kino eine schlechtere Ausgangssituation als noch vor drei Jahren – Corona hat den Markt aufgemischt. Fast alle Filme sind online sehr früh verfügbar, häufig kann man sie bereits kurz nach Kinostart streamen. Deswegen muss ich also nicht mehr unbedingt ins Kino. Und wir Menschen sind Gewohnheitstiere: Die bequeme Couch hat bei vielen nach wie vor eine magnetische Anziehungskraft und ist noch dazu viel billiger. Fast alle Programmkinos merken es bei den Abrechnungen – ein Teil des Stammpublikums hat sich noch nicht vom Sofa gelöst – aber ich bin optimistisch. Ich glaube, der Großteil wird wieder kommen.

Paula Pöll
Paula Pöll ist seit 2018 künstlerische Leiterin des Kinos im Kesselhaus.

Nonstop – dein Kinoabo

Zum einen erhoffen wir uns, dass die neue Initiative „Nonstop – dein Kinoabo“ ab Ende Februar Menschen mobilisieren wird. Das Projekt ist als Verein organisiert, im Moment sind 18 Programmkinos aus sechs Bundesländern dabei. Wir freuen uns sehr, dazuzugehören.  Für nur 22 Euro im Monat kann man in den teilnehmenden Kinos so viele Filme schauen, wie man möchte. Das Flatrate-Modell gibt es bereits seit 2009 in den Niederlanden. Dort funktioniert es wahnsinnig gut: Die Leute haben die Abos teilweise sogar in der Coronazeit weiterbezahlt, obwohl sie gar nicht ins Kino gehen konnten. Besonders die Zielgruppe der 20- bis 30-Jährigen fühlt sich davon sehr angesprochen. Und man probiert auch Filme aus, von denen man noch nichts gehört hat. Die Leute werden dadurch experimentierfreudiger. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Angebot auch in Österreich viele Cineast:innen schätzen werden. 

Kino im Kesselhaus-Filmclub

Außerdem möchten wir 2023 einen Filmclub für 14- bis 27-Jährige gründen. Das Ziel ist, dass sich junge filminteressierte Menschen finden und regelmäßig selbst Programm machen. Sie suchen die Filme aus und werden die Filmabende auch selbst bewerben. Gerade sind wir auf der Suche nach Leuten, die mitmachen möchten. In den meisten Programmkinos, so auch bei uns, ist das Stammpublikum 50+. Das möchten wir natürlich auch halten bzw. wieder motivieren. Wir müssen aber auch darauf achten, dass eine neue Generation nachkommt.

Kino im Kesselhaus
Mit dem Nonstop Kinoabo dürfen die Abonnent:innen so oft sie wollen in teilnehmende Programmkinos gehen.

Treffpunkt

Was ich mir wünschen würde? Gemeinsam mit unserem Gastronomiepartner, der Filmbar, ein lebendiger, wichtiger Treffpunkt für kulturinteressierte Menschen zu sein. Man braucht sich nicht verabreden, es ist klar, man trifft auf bekannte Gesichter, schaut gemeinsam Filme und diskutiert dann das Gesehene bei einem Abendessen oder einem Glas Wein. Ein Ort für Jung und Alt, an dem sich jede:r willkommen und wohl fühlt. Und ein zweiter Saal wäre mein Traum, dann könnten wir endlich noch mehr gute Filme zeigen und das Programmieren wäre bedeutend einfacher…“

Autorin

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Zur Person:

Paula Pöll ist künstlerische Leiterin des Kinos im Kesselhaus am Campus Krems, freiberufliche Sprecherin und im Team des Internationalen Kinderfilmfestivals.
Sie arbeitete zuvor für die Viennale Vienna International Filmfestival und die Diagonale – Festival des österreichischen Films.

 

Zum aktuellen Programm:

https://www.kinoimkesselhaus.at/de/programm/programm

Lesen Sie in unserer Rubrik Backstage, was Paula Pölls Kollegin Katharina Kreutzer über die Filmvermittlung im Kino im Kesselhaus erzählt.

Fotos: Wolfgang Simlinger
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